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Inhalt: Über die Herstellung der Malerpinsel


DER
B ü r s t e n -
und  P i n s e l f a b r i k a n t

oder
gründliche Anweisung, alle Arten Bürsten zu verfertigen und den Borsten jede
verlangte Couleur zu geben, so wie die angewendeten Holzarten auf
verschiedenerlei Art beizen, poliren und lackiren zu können.

Nebst
einer  A n l e i t u n g
zur Verfertigung der Federbüsche und Federbesen, so wie zu allerlei andern Gegenständen und Modeartikel aus Federn, als Müffe, Boas, Palatins ec.,
so wie auch zum Färben der Federn.

Von
K.  H O P P E,
Bürstenmacher aus Danzig
Mit 38 Abbildungen auf sieben Tafeln
Weimar, 1842.
Verlag, Druck & Lithographie von Bernh. Friedr. Voigt


 Rothmarderpinsel  

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 N A C H   O B E N 

 Die Malerpinsel :
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Zu den vielerlei Pinseln, die der Bürstenmacher ebenfalls verfertigt, werden immer nur süddeutsche oder französische Borsten in Anwendung gebracht, wenn solche nicht
auf vorgängige Bestellung mit stärkeren Borsten gemacht werden sollen.

Der Ziegen- Dachs- und Eichhornhaare haben wir schon im zweiten Capitel als
Material des Pinselfabricanten angegeben, und wir erwähnen hier nur noch der Iltishaare, die sich vorzüglich zu Lackirpinseln großer und kleiner Flächen und
feinen Malerpinseln eignen.

Die besten Pinsel lieferte ehemals Frankreich, von wo man dieselben besonders
aus Lyon bezog. Jetzt liefern deutsche Fabriken, vorzüglich in Augsburg, dieselben Pinselgattungen, die auch das Lyoner Verhältnis in Hinsicht der Größe und der Nummern, womit man sie bezeichnet, beibehalten haben.

Zu den gröbern Pinselgattungen, worunter die Maurer-, Tüncher- und Ringpinsel gehören, werden die Borsten roh verarbeitet; zu den feinern aber müssen die Borsten bündelweise in die heiße Asche gebacken werden, wobei man vorsichtig zu Werke gehen muß, daß man solche nicht überhitzt und verbrennt. Sie erhalten dadurch,
und wären es die feinsten Iltishaare, mehr Steifigkeit und Elasticität.

 Fischpinsel

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 N A C H   O B E N 

 1. Das Backen der Borsten und Haare :
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Das Verfahren selbst, die Borsten zu backen, geschieht am besten auf folgende Weise : Man nimmt ein großes, nicht zu schwaches Eisenblech, dessen Ränder wenigstens 5 Zoll hoch nach oben zu aufgeschlagen seyn müssen, wodurch eine eckige Pfanne entsteht, die mit Asche so angefüllt wird, daß dieselbe in der Mitte
noch etwas höher liegt. Nun erhitzt man die Asche über Kohlen- oder Holzfeuer
so lange, bis man die Hand nicht mehr darin zu halten vermag.

Jetzt werden die Borsten oder Haare in lockere Bündel gebunden, die nur 1 Zoll Ø Durchmesser haben, damit die Hitze leichter eindringen könne, und in die Asche
so vergraben, daß sie rund herum davon umgeben sind und weder auf dem Bleche aufliegen, noch auf der Oberfläche der Asche hervorstehen oder zu sehen sind.

Man unterhält nun diesen Hitzegrad gleichgradig eine Viertelstunde lang, nach
welcher Zeit man die Borsten umwendet, welches mittels eines Holzstäbchens geschehen kann, läßt sie hierauf abermals eine Viertelstunde lang in der heißen
Asche bei gleichem Hitzegrade backen und nimmt die Bündel dann heraus,
um andere dafür einzulegen und ebenso zu behandeln.

Auf die Unterhaltung eines gleichgradigen Feurers und daß dasselbe alle Theile des Eisenblechs oder der Pfanne berühre, kommt bei dem Backen der Borsten oder
Haare das Meiste an.

Lyoner Strichzieher 

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 N A C H   O B E N 

 2. Das Schleifen der Borsten :
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Diejenigen Pinsel, welche zu Oel- oder Leimfarben benutzt werden sollen, müssen auch geschliffen werden. Zu dem Behufe werden der Borsten so viel gefaßt, als zu einem Pinsel von beliebiger Größe erforderlich sind. Dieses Bündel wird, nach gehörigem Aufstoßen, damit die Kopfenden gerade stehen, mit den Spitzen in einen dünnflüssigen Brei bis über die Hälfte der Borsten getaucht, der zur Hälfte aus Lehm und zur Hälfte aus blauem Töpferthone besteht, der mit Wasser angemacht wird.

Das eingetauchte Borstenbündel muß man aber von der überflüssigen feinen
Erdmasse dadurch möglichst wieder zu befreien suchen, in dem man dasselbe
durch den Daumen und Zeigefinger der rechten Hand quetsch, wodurch die Spitzen
der Borsten zusammengehalten werden.

In diesem Zustande läßt man die zu Pinseln bestimmten Bündel an der Luft,
nicht aber an der Sonnenwärme, gut trocknen, worüber man zwei Tage verstreichen lassen kann, um versichert zu seyn, daß sie auch in der Mitte trocken geworden sind.
Die getrockneten Bündel sind nun durch die bildende Erdmasse zum Schleifen bereit.

 Haarpinsel im Kiel

Man nimmt daher das Bündel so in die rechte Hand, daß die Spitzen so wenig wie möglich hervorstehen, und reibt dieselben auf einem eigens dazu abgerichteten großen Stück Bimstein ( ein grobkörniger scharfer Sandstein kann bei dieser Behandlung der Borsten dieselben Dienste leisten ) von allen Seiten, und besonders in der Mitte,
gut ab, wodurch schon der größte Teil der trocknen Erdarten ausstäubt.

Leicht wird man nun gewahr werden, ob die Borsten sanft anzufühlen sind und bei einem versuchenden Seitendrucke mit demselben eine gerade Fläche bilden, wozu die Übung das Meiste beitragen muß.

Wir wollen uns nun mit der Verfertigung derjenigen Pinselarten beschäftigen, die man in den Fabriken und im Handel *) schon vorräthig hat und am häufigsten zum technischen Gebrauche und im  K ü n s t l e r f e l d e  angewendet werden.

*) Ein vorzügliches Sortiment PINSEL aus den besten Fabriken Deutschland's
und Frankreich's führt wohl der überhaupt in allen Farbenmaterialien am reellsten
bedienende Kaufmann  B e l l e r m a n n  in Erfurt, dessen Handlung in dieser Hinsicht
weit und breit die einzige seyn möchte.


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 N A C H   O B E N 

 3. Die Maurerpinsel :
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Welche zum sogenannten  r u s s i s c h e n   A n s t r i c h e  verwendet werden, haben 3 bis 4 Zoll Durchmesser ( 7 — 11 Centm.)  Ø  Durchmesser und werden mit eingestecktem Stiele gemacht, um welchen etwas Leinwand, ebenfalls mit heißem Peche getränkt, geschlagen wird.

Diese Leinwand wird dann wieder mit Bindfaden umwunden, so daß davon äußerlich nichts zu sehen ist. Die Borsten stehen gegen drei Zoll lang hervor, von welchen nur
die einzeln hervorragenden Spitzen abgeschnitten werden.

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 N A C H   O B E N 

 4. Die Weißpinsel :

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Sie sind zum Gebrauche der  T Ü N C H E R  bestimmt und können von den längsten deutschen Borsten gemacht werden, in diesem Falle aber müssen dieselben auch stark seyn, denn nicht immer sind lange Borsten auch zugleich stark.
Die schwachen langen Borsten sind von ausgewachsenem, die starken langen
von älterem Viehe entnommen.

Diese Bürstenart wird aber mit keinem hölzernen Stiele, sondern mit einer Hülse
von starkem Bleche versehen, in welche der lange hölzerne Stiel oder die Stange angebracht wird. Die Blechhülse zwängt man heiß in den Pinsel, wenn das Pech,
in welches das ganze Borstenbündel getaucht wurde, noch warm ist.

Eine andere Art  T Ü N C H P I N S E L , deren Borsten nicht so dicht stehen,
sind bürstenartig in Holz gesetzt, wozu das Holz bald rund, bald vier - oder achteckig gearbeitet ist. Die eingebohrten Löcher haben einen bedeutenden Umfang,
und die Borsten werden roh angewendet. 

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 5. Die Malerpinsel nochmal :
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Wir haben die Anfertigung derselben schon bei' m Schleifen der Borsten beschrieben. Die feinen Sorten werden von Ziegen- Dachs- und Iltishaaren gemacht,
die aber sämmtlich in heißer Asche auf die bereits beschriebene Weise
gebacken seyn müssen.

Sie sind sämmtlich rund kommen unter den Buchstaben A bis Z in verschiedenen Größen von 4 Zoll bis zu 2 Linien Durchmesser vor. Daß sie daher auch in der
Borsten- oder Haarlänge voneinander abweichen müssen, versteht sich von selbst.

Die Augsburger MALERPINSEL werden unter den deutschen Fabricaten für die
besten gehalten und diejenigen, welche man in den Farbe - Materialhandlungen
kauft, kommen größtentheils aus Augsburger Fabriken,
die den Lyoner gleichgeachtet werden können.

 

 




   Fischpinsel mit runder Blechzwinge und Holzstiel