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Inhalt: ZITAT EINES ZITATS
Fortsetzung aus  — Dezember
Herakles ein Mythenkomplex              
 L I E B E R   G O T T,  W O   W A R S T   D U ?

 c l i c k   i s t   m ö g l i c h 
ZITAT eines ZITATS, oder die IKONOGRAPHIE der BETROFFENHEIT in der U 7 
Zur Erläuterung:

Zwei Gründe haben mich veranlaßt, diese Seite mit dem oben gezeigten Bild zu aktualisieren. Einmal der tradierte heimatliche Brauch, mit Beginn des Auszugs der singenden und Geld sammelnden Sternkinder in Köln, das Symbol der immergrünen Hoffnungsikone „Tannebaum" aus dem Fenster zu werfen. Hier in diesem Medium geschieht es ohne bedeutende Rückstände, im näheren öffentlichen Raum mischt
sich der tote Baum in die abgebrannten Feuerwerke und durch die Feiertage stark gehäuften Hundekothaufen. Eine Jahreswende - Collage wenn man es so sehen will. Was es sonst noch zu sehen gab? Dafür steht das 500 Jahre alte Bild des altfrän-kischen Meisters, mit unnachahmlicher Zeitlosigkeit, für den gegenwärtigen mentalen und ikonographischen Betroffenheitsausdruck in den Gesichtern der Raumgenossen, und das ist der zweite Grund diese Seite im genannten Bildkontext zu aktualisieren.

Prägnant wurde mir diese Erfahrung während einer U-Bahnfahrt am 30. Dezember,
ich war im Begriff einen Lotteriegewinn einzulösen, er bestand in einer Schmuck-packung mit sieben rot staniolierten Marzipanherzen. Die dahinrumpelnden gelben, schienengebundenen Konservendosen der Unterpflasterbahn und die inkorporierten Insassen, wirkten wie ein theatralisches Gesamtkunstwerk von unsichtbarer Hand gesetzt und inszeniert. Etwas ungewöhliches mußte geschehen sein und in dem Doppelpaar der endlosverschleiften Monitore unter der Waggondecke deutete sich wortgewaltig, ohne Vorwarnung und Bekennerschreiben, Ursache und Auswirkung
der kollektiven Betroffenheit an: KILLER—WELLE im PARADIES, 26 DEUTSCHE URLAUBER tot!
PARADIES PARADAS PARADOX PARA.DE PARAPSYCH PARASIT PARAGRAPH

Es soll hier nicht der Eindruck vermittelt werden, daß ich mich außerhalb der obsole-ten Zeitströmungen bewege, doch Tatsache ist nun mal, daß ich weder ein TV-Gerät habe noch eine Tageszeitung abonniere, selten U-Bahn fahre, noch viel weniger die Heimatflucht ( der Gegensatz zu Weltreisen ) genieße, nur über eine transistorisierte Monoquäke der Firma Sony, Baujahr 1977 — essembled in malaysia —, verfüge und somit auf niedrigem Level mit dem aktualisierten Zeitgeschehen verbunden bin. Mein Gehöhr ist mittelschwer demoliert und daher ist selbst dieses Medium zum Teil doch recht anstrengend zu verfolgen. Erst nach Mitternacht ist ein entspanntes Verhältnis gegeben, an guten Tagen. Die bevorzugte Senderpeilung liegt bei FM/U Channel 39, entsprechend 97 bis ca. 98 MHz. Das zu meinem interaktiven Medienprofil.

Nachdem die roten Marzipanherzen eingetütet und unter den linken Arm geklemmt mein Eigentum waren, entschied ich mich, vor der Rückfahrt mit der gelben Konserven-kette, am Untergrundkiosk eine Zeitung zu kaufen. Auf einem der Titelblätter war das vertraute Gesicht des Alt-Bundeskanzlers Helmut Kohl ( 74 ) zu sehen. Diese Zeitung soll es sein entschied ich ganz unvoreingenommen, ganze 0,45 €. Ich hatte diese Zeitung vor 41 Jahren schon einmal gekauft. Helmut Kohl entkam seinem erinnerten Bomben-Angriff. Das klang wahrhaftig bedrohlich, darunter ein Bild von GETTY IMAGES, schwebender Hubschrauber über liegenden Palmen, teils nur Stämme, teils nur Kronenwedel, Kokosnüsse sind nicht auszumachen und möglicherweise liegen sie verstreut zwischen den weltweitüblichen Strandutensilien die dem Mitteleuropäer,
wenn auch nur für kurze Zeit in eine freiwillige Ruhephase eintreten lassen. Paradiesisch berauscht versteht sich. Ich sehe nichts was beunruhigen könnte, türkisblaues Meer mit landesüblichen motorisiertem Boot, schwimmend geankert,
in der rechten Mittelebene des Bildes drei schön aufstrebende Palmen, der berühmte Strand von Phi Phi Island. Das Layout der Titelseite erinnert an die Manier der Post-kartenwände in den vielen Werkskantinen und ungezählten teilöffentlichen Büros der Staatsdienerschaft, hastig aufgeklebt und mit Schattenschlagrand unter den faserigen Abrissrändern eines schwarzen Plakatkartons. Wahrlich, eine subtile Ikonographie.

In der rechten Spalte ein T-Mobile Preisknaller und unmittelbar darunter wieder die Killer-Welle, doch nun werden 1000 Deutsche vermißt. Daran anschließend zwei Fotos einer Serie wie sich vermuten läßt, mit der Anmutung von Baggersee und Lausitzer Tagebau mit Palmen, ein schlecht retuschiertes Reiseprospektbild, vielleicht. Ich habe meine Lesebrille nicht dabei und falte das Blattwerk, es wandert zu den Marzipan-herzen in die dunkelgrüngoldene Plastiktüte.

Ich habe ein vages Bild gewonnen, Helmut Kohl ermöglicht mir den Zugang zu den Betroffenheitschiffren die den Mitreisenden ins Antlitz geschrieben sind. Bomben, Wellen, Anwesende und Abwesende, Euphorie und Panik, Strandgut und tote Deutsche. Ich steige in den zweiten der inzwischen eingerollten gelben Behälter und fühle mich sofort nach den ersten schweifenden Blicken von der kollektiven Betroffenheit kontameniert.

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Auf dem häuslichen Tisch entfaltet sich nun die untere Hälfte des Bildes vom Phi Phi Strand, im Vordergrund eine geköpfte Phönixpalme, eine Betonpiste ist umgeben von zerrissenen Gebäudeteilen, ein Toilettenflachbau mit Waschbeckenkonsole ist die letzte räumliche Größe die etwas über die ursprüngliche Bestimmung erahnen läßt.
Der Rest der verstreuten Gebäudeteile erinnert an die aufgelassenen Industriebrachen von ehemaligen Produktionsgenossenschaften, im weiteren Berliner Umland der neunziger Jahre. In der unteren Bildmitte schreitet ein Mensch durch die Mikadoszene, in der rechten Bildsequenz hangelt ein Mann an einem Palmenzweig über schäumen-der Gischt. Der Hotelgarten ist überflutet, die Wassermasse strömt über den Strand zurück und ist mit Trümmern versetzt.

Die andere Seite.

Das Puzzle des GRAUENS.

Dieses Puzzle ist ein unappetitliches, doch nicht unkonsumierbar, wie die Bild- und Wortstanzer beweisen, können sie doch auf unser Betroffenheitspotential spekulieren. Fassen wir die einzelnen Teile an und prüfen sie auf Kontur und Bündigkeit.

Der Text :
„ BILD war im Tempel der Deutschen unter den Mangobäumen. Süß ist die Luft,
die sich nicht atmen läßt, nur ertragen."

Findet sich ein Identifizierungsdokument, ein Reisepaß mit einem Bild,
so hat das Bild lediglich noch den Wert der Selbstrefferenz, die Leichenmassen
sind unkenntlich entstellt.

Berlin, Pressekonferenz.
Außenminister Joschka Fischer ( 56 ) :
„ Es ist dort nicht Winter, sondern strahlend blauer Himmel, 35 Grad. Eigentlich nennt man das Traumwetter. Das macht die Identifikation der Toten nicht einfach."
„ Das Meer hat ohne Zweifel manche nicht mehr hergegeben oder wird sie nicht hergeben."

Bundeskanzler Gerhard Schröder ( 60 ) :
„ Mit dem Bundesinnenminister habe ich für die Einrichtungen des Bundes Trauerbeflaggung angeordnet."
„ Das menschliche Leid ist unermeßlich. Das Ausmaß der Katastrophe übersteigt unsere Vorstellungskraft. Die Flutwelle in Südostasien ist eine der schlimmsten und verheerendsten Naturkatastrophen seit Menschengedenken."

Der ikonographische Teil :
OP-Hanschuhe, ein Reisepaß, Büroklammern, die junge Polizistin, Mundschutz,
viele Leichen, eine Leiche, orangene Holzkisten, eine Überlebensfamilie, ein zerstör-
tes Paar, der Bundeskanzler und sein Stellvertreter im Profil, sachlich, gefaßt.

Der phänomenologische Teil :
Der Vize-Direktor der Naturschutzbehörde in Sri Lanka :
„Es gibt keine toten Elefanten, nicht einmal ein totes Kaninchen. Die sind rechtzeitig auf höher gelegene Bereiche geflüchtet."

Helmut Kohl hatte mit der Zimmerwahl im dritten Stockwerk seines Hotels, auch in diesem Ausnahmefall der Menschheitsgeschichte wieder einmal Instinktsicherheit bewiesen, was nur einem wirklich großen Politiker zukommt.

Unnötig ist es auf die weiteren Seiten des großen Faltblattes einzugehen, der
nächste Tag brachte dann die entscheidene Frage: Wo war Gott, Herr Bischof ?

Bischof Wolfgang Huber, gibt in einem Gastbeitrag für „Spiegel-Online" Antworten :
„ Trotz unserer Kenntnisse der Natur und trotz unserer Möglichkeiten, sie uns
dienstbar
zu machen, drängt uns dieses Erleben wieder zu einer Haltung der Demut. Gott will nicht den Tod. Sondern Gott ist ein Freund des Lebens."
Sein Sohn ( Jesus von Nazareth ( 2005 ) ), dessen Geburt wir in diesen Weihnachtstagen feiern, nahm den Tod auf sich, damit kein Mensch mehr geopfert werden muß — auch nicht den Gewalten der Natur.

Zitat / Zitat Ende.

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Die Erde ist ein Apfel, die bewohnbare Schale sehr dünn und die Aura des Lebens
sehr empfindlich. Der Schleier unserer dienstbar gemachten Paradiese ist löchriger denn je. Dagegen geht das Puzzlespiel mit unserem neuralen Imaginationsapparat scheinbar immer auf, wie paradox und widersprüchlich auch immer die globale Mediengesellschaft sich selbst inszeniert und illusionieren läßt. Dadurch entsteht
die Wahrnehmungsverschiebung, die den Menschen unter die Naturgewalt geopfert wähnt, doch der Gedanke, daß ein nicht unerheblicher Teil zivilisierter und technisch hochgerüsteter Paradiessucher wenig rücksichtsvoll, auch in den entferntesten Naturräumen sich auswalzt, wird nur andeutungsweise in die Betroffenheitsrethorik eingeflochten. Ja überhaupt erst richtig wahrgenommen, wenn ein nichtlinearer zyklischer Prozess, genannt Katastrophe, sich in einer Flutwelle manifestiert.

Die im Puzzle mitgelieferten Opferzahlen und dreistellig bezifferten Schätztoten,
( da ist noch ein Hoffnungsraum, denn vorerst sind es nur vermißte nichtidentifizierbare Paradiessucher ) ist eine kaum zu überbietende Variante von Zahlenterror. Da versagt auch meine Vorstellungskraft, oder soll damit lediglich das Restvermögen an Mitgefühl für den engeren Sozialraum, Familie oder ein kleines Fischerdorf demobilisiert werden, also Vorstellungsgrößen die meiner Lebenserfahrung entsprechen.
Geht es hier um mehr ? Kommt nach dem großen Sterben das große Helfen ?
Eine medial durchinszenierte Helfer-Olympiade möglicherweise.

Ergießt sich nun die gegenläufige Hilfswelle in den geschundenen Inselraum, türmt
sich eine neue Zahlenpyramide in dem intermedialen Raum auf, die potentesten Spender sind einer namentlichen Erwähnung sicher. Der Rest ist die Ersetzung der Paradiessucher durch trainierte Spezialisten der Humantechnik. Herakles müßte man heute beim THW suchen, vorausgesetzt er verfügt über die inzwischen notwendigen Kenntnisse in der satellitengestützten Kommunikationstechnik und hat sich seines Hangs zum Besäufnis und des ausschweifenden Sexualslebens entledigt. Doch diese letztgenannten Attribute eines heroischen Heldens und Menschheitshelfers sind mythologischer Natur und unterliegen einer sich vielfach umgestalteten Rezensions-geschichte.

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Wenn Sie eine andere Sichtweise zu der IKONOGRAPHIE der BETROFFENHEIT
lesen möchte, dann clicken Sie bitte in die nächsten Zeilen :
ntiquiert


Über die Zerstörung
des Lebens
im Zeitalter
der dritten industriellen
Revolution.

Günther Anders
Die Antiquiertheit
des Menschen
II
C.H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung ( Oscar Beck ), München 1987

obstMehr Informationen
zu den Bemühungen,
den O B S T B A U
in den ländlichen Provinzen staatlicherseits zu fördern.




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Betrifft speziell
den Neckarraum und
die Provinz Hannover.

 
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