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METOPEN  AM  ZEUS-TEMPEL  IN  OLYMPIA
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eins
Die ILIAS und Homer ( » Worlds in Collisions « )
Welten im Zusammenstoß — Immanuel Velikovsky
Originalausgabe bei Macmillan Inc., New York. 1950
Deutsche Ausgabe. Umschau Verlag. 1978
S. 222 -228


Wann wurde die ILIAS geschaffen ?

Gewaltiger Streit war mächtig angewachsen unter den Körpern des Himmels.

— Empedokles
 

 

 


Bis zum heutigen Tage hat nicht genau bestimmt werden können, wann die Ilias und die Odyssee entstanden. Selbst die alten Autoren gehen in ihrer Berechnung, wann Homer gelebt hat, weit auseinander. Den Schätzungen der von Philistratus zitierten Gewährs-männer, die 1159 v.Chr. angeben, stehen Schätzungen wie die des Geschichts-schreibers Theopomp mit 685 v.Chr. gegenüber.
zwei
Herodot schrieb, daß „ Homer und Hesiod " das griechische Pantheon „ nicht mehr als 400 Jahre vor mir " geschaffen hätten; da 484 v.Chr. als sein Geburtsjahr gilt, wäre dies nicht früher als 884 v.Chr.  Diese Frage ist noch immer strittig. Einige Autoren weisen darauf hin, daß zwischen der Zeit, als die homerischen Epen geschaffen und der Zeit,
als sie niedergeschrieben wurden, Jahrhunderte verstrichen seien; andere wieder glauben, daß diese Werke nicht lang bevor die Griechen die Kunst des Schreibens erwarben geschaffen wurden, also etwa um 700 v.Chr.  2.)

Es wird aber auch argumentiert, daß die Griechen diese Kunst lange vor 700 v.Chr. kannten, wobei man umgekehrt von der Annahme ausgeht, daß die homerischen Epen lange vor diesem Datum entstanden seien. Man nimmt gewöhnlich an, daß der Fall Trojas um mehrere Menschenalter vor Homer zu datieren ist und daß die großen Epen das Werk von Generationen waren. Der Fall Trojas soll sich, wie mitunter angenommen wird, im 12. Jahrhundert zugetragen haben. 3.)

 

 
  
 

vier
Andererseits ist darauf hingewiesen worden, daß der kulturelle Hintergrund der homerischen Epen der des  8. oder gar des  7. Jahrhunderts ist; die Eisenzeit war zweifellos bereits angebrochen, und auch viele andere Einzelheiten schließen eine frühere Datierung aus. 4.) Höchstwahrscheinlich wurden die Epen tatsächlich in dieser Zeit oder auch bald danach geschaffen. Ob diese Dichtungen zuerst von einem Barden gesungen wurden, der Jahrhunderte nach dem Fall Trojas lebte, hängt davon ab, wann Troja zerstört wurde.

Die Sage von Aeneas, der aus dem untergegangenen Troja nach Karthago entkam
( einer im 9. Jahrhundert erbauten Stadt ) und von dort nach Italien zog, wo er Rom gründete ( eine in der Mitte des 8. Jahrhunderts angelegte Stadt ), deutet ebenfalls
darauf hin, daß Troja im 8. oder wenigstens am Ende des 9. Jahrhunderts zerstört wurde.

Warum nun beschwere ich mich mit dieser Frage ? Man könnte meinen, daß die zwei Probleme — wie Venus ihre Umlaufbahn in einen Kreis verwandelte, und wie Mars seine Umlaufbahn so veränderte, daß er mit der Erde in Berührung kam — durch ein drittes Problem kompliziert werden, das recht weit hergeholt und für sich selbst schon kompliziert genug ist. Und selbst wenn diese Dinge etwas miteinander gemeinsam haben — wie kann eine Gleichung mit drei Unbekannten gelöst werden ?

Wir werden der Lösung des astronomischen Problems, vor das wir uns gestellt sahen, sowie des Problems der homerischen Epen näher kommen, wenn wir erst einmal ihren kosmischen Rahmen klar umreißen.

Wir können eine einfache Probe anstellen. Wenn Mars, der Ares der Griechen, in den Schöpfungen Homers nicht erwähnt wird, so würde diese die Ansicht bestärken, das die Ilias und die Odyssee spätestens aus dem 10. Jahrhundert stammen, oder zumindest, daß die Vorgänge, die sie schildern, sich spätestens um diese Zeit abgespielt haben.
Im 8. Jahrhundert war es, daß Mars - Nergal, bisher eine ganz obskure Gottheit, zu
einem sehr bedeutenden Gott wurde.

Eine an legendären Zügen reiche epische Dichtung, die im 8. oder 7. Jahrhundert entstand, würde Mars - Ares, der gerade zu dieser Zeit sich so gewaltig hervortat,
nicht unerwähnt lassen. Nach diesem Maßstab sind die Dichtungen Homers zu überprüfen. Die Aufgabe wird sich als recht einfach erweisen : die Ilias ist voll von Schilderungen der Gewalttaten des Ares.

Das Epos schildert die Geschichte der Kämpfe, welche die Griechen bei der Belagerung der Stadt dem Volke des Priamos, des Königs von Troja, lieferten. In diesen Kämpfen
und Plänkeleien nahmen Gottheiten eine hervorragende Stelle ein. Unter ihnen taten
sich zwei, Athene und Ares, ganz besonders hervor. Athene war die Beschützerin der Griechen, während Ares auf Seiten der Trojaner stand. Sie beide sind die Hauptgegen-spieler der ganzen Dichtung.
fuenf
Zuerst entfernte Athene Ares vom Schlachtfeld :„ Und die funkeläugige Athene nahm den grimmigen Ares bei der Hand und sprach zu ihm und sagte : Ares, Ares, Du Verderber der Sterblichen, Du blutbefleckter Mauerstürmer, sollen wir nun nicht die Trojaner und Achäer ihrem Kampfe überlassen ? ... ( Sie ) führte den grimmigen Ares fort aus der Schlacht ". 5.)

  ... Das Schlachfeld wurde von Ares verdunkelt und der grimmige Ares breitete einen Schleier der Nacht über das Schlachtfeld, um den Trojanern zu helfen ... Er gewahrte,
daß Pallas Athene sich entfernt hatte, die sonst den Danaern beistand. Hera die Göttin der Erde, „ bestieg den flammenden Wagen " und „ in ihren Angeln knarrend taten sich von selbst die Tore des Himmels auf, welche die Stunden bewahren und denen der Olymp und das Firmament anvertraut ist. " Sie sprach zu Zeus :

„ Zeus, zürnst du nicht wider Ares wegen dieser Gewalttätigkeiten, daß er so leichtfertig hingemetzelt hat eine so große und stattliche Schar von Achäern? " Und Zeus erwiderte : „ Nein, ich bitte Dich, ruf Athene gegen ihn auf ... Sie, die stets darauf aus war, allen anderen voraus über ihn Unheil zu bringen."

So kam die Stunde des Kampfes.

 

    
 


In dieser Tonart geht die Dichtung weiter, wobei ihre allegorischen Züge nur leicht übersehen werden. Im fünften Buche der Ilias wird Ares mehr als dreißigmal direkt mit Namen genannt, und durch die ganze Dichtung hindurch verschwindet er nicht einmal
von der Szene, sei es nun im Himmel oder auf dem Schlachtfeld. Das 20. und 21. Buch schildert den Höhepunkt des Kampfes der Götter vor den Mauern Trojas.

„ ( Athene ) stieß einen lauten Schrei aus. Und droben, schaurig, gleich einem finsteren Wirbelwind, schnaubend und speiend, rief Ares in schrillen Tönen nach den Trojanern." So trieben die hehren Götter die beiden Heere, kämpfend zusammenzutreffend, und mitten unter sie gemischt drängten sie immer weiter vor.

Dann erhob der Vater der Götter und Menschen hoch droben sein furchtbares Donnern und drunten in der Tiefe ließ Poseidon die Erde erbeben und die steilen Klüfte der Berge. Alle Wurzeln des quellen-reichen Ida wurden erschüttert, desgleichen alle Berggipfel
und auch die Stadt der Trojaner und die Schiffe der Achäer. Und von Furcht ergriffen
ward in der Unterwelt Aidoneus, der Herr der Schatten ... daß nicht über ihm gespalten werde die Erde von Poseidon, der die Erde erheben macht, und sein Wohnort den Sterblichen und Unsterblichen bloßgelegt würde ... so mächtig war das Getöse,
das sich erhob, als die Götter streitend zusammenstießen."
sieben
Was aber mag es bedeuten, daß der Planet Mars Städte zerstörte, daß er himmelan fährt in einer verfinsterten Wolke, oder das er Athene ( den Planeten Venus ) in einen Kampf verwickelt ?  Die Kommentare vermuten, daß Ares eine Naturkraft dargestellt haben müßte. Er solle eine Personifizierung des rasenden Sturmes oder des Himmelsgottes, des Lichtgottes, des Sonnengottes oder dergleichen gewesen sein. 7.)

Diese Erklärungen sind verfehlt. Ares - Mars ist, was sein Name besagt, der Planet
Mars. Bei Lucian finde ich eine Angabe, die meine Auslegung des Weltendramas in der
Ilias bestätigt. Dieser Schriftsteller aus dem 2. Jahrhundert unserer Zeitrechnung bringt
in seinem Werk „ Über die Astrologie " folgenden ebenso bedeutsamen wie unbeach-teten Kommentar zu den homerischen Epen :

„ Alles, was er ( Homer ) von Venus und Mars und ihrem Wüten gesagt hat, ist
auch ganz offenbar aus keiner anderen Quelle zusammengetragen als von dieser Wissenschaft ( der Astrologie ). Tatsächlich ist es die Konjunktur von Venus und Mars, die die Dichtung Homers hervorbrachte." 8.) Lucian ahnt nicht, daß Athene die Göttin des Planeten Venus ist  9.), und doch kennt er die wahre Bedeutung des kosmischen Vorwurfs der homerischen Epen; dies zeigt, daß die Quellen seiner astrologischen Kenntnisse um die Tatsachen dieses kosmischen Dramas wußten.
zehn
Ich finde meine Ausdeutung der homerischen Dichtung noch von anderen vorweg-genommen, wenn auch unmöglich zu sagen ist, wer dieselben im einzelnen waren. Jedenfalls schrieb Heraklit, ein wenig bekannter Schriftsteller des 1. Jahrhunderts,
der nicht mit dem Philosophen Heraklit von Ephesus zu verwechseln ist, ein Werk über die Allegorien bei Homer. 10.) Nach seiner Ansicht waren Homer und Plato die zwei größten Geister Griechenlands, und so versuchte er, die satirisch-vermenschlichende Darstellung der Götter bei Homer mit der idealisierend metaphysischen Betrachtungs-weise Platos in Einklang zu bringen. In Absatz 53 seiner Allegorien widerlegt er diejenigen, die meinen, die Kämpfe der Götter in der Ilias bedeuten Zusammenstöße
der Planeten. Daraus schließe ich, daß gewisse alte Philosophen dieselbe Ansicht vertreten vertreten haben müssen, zu der ich nach einer Reihe von Schlüssen
unabhängig gelangte.

 

 
INDEX NEUSTART

tabelle

  Anmerkungen aus dem Text zuvor :
 
The Fragments of Empedokles ( Übers. W. E. Leonhard, 1908 ), S. 30

Siehe R. Carpenter, The Antiquity of the Greek Alphabet und B. Ullmann,
How old is the Greek Alphabet? in : American Journal of Archaelogy, XXXVII
( 1933 ) bzw. XXXVIII ( 1934 )

Als die Lage Trojas wieder entdeckt worden war, hielt Schliemann die Reste der zweiten Schicht von unten für die des homerischen Ilion; spätere Forscher erklären jedoch die Reste der 6. Stadt für die des Troja der Ilias

G. Karo, Homer in Eberts Reallexikon der Vorgeschichte, Bd. V

Ilias, Buch V

Diese weit auseinandergehenden Ansichten werden vorgetragen von L. Preller, Griechische Mythologie ( 1894 ), G. F. Lauer, System der griechischen Mythologie, 1853, S. 224, F. G. Welcker, Griechische Götterlehre I, 1857,
S. 415 und H. W. Stoll, Die ursprüngliche Bedeutung des Ares, 1855

Lucian, Astrologie, Abschn. 22

Im gleichen Abschnitt setzt Lucian die Venus mit der Aphrodite der Ilias gleich

Heracliti questiones Homericae ( Teubner, ed. 1910 ). Vgl. F. Boll, Sterglaube und Sterndienst ( Herausg. W. Gundel, 1926 ), S. 201