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METOPEN  AM  ZEUS-TEMPEL  IN  OLYMPIA
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  „ Zur Person HERCULES / HERAKLES "
Gründliches mythologisches LEXICON / Benjamin Hederich.
— Reprograph. Nachdruck d. Ausg. Leipzig, Gleditsch, 1770 —
Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt. 1986

 

INDEX NEUSTART

1 §. Namen.

Nach der gemeinsten Meynung soll
dieser von HRA, JUNO, und KLEOS,
HERRLICHKEIT, zusammen gesetzet
seyn, weil nämlich dieser Held, durch den Haß und die Verfolgung solcher Göttin,
zu seiner Ehre und Herrlichkeit gelanget. Andere hingegen setzen ihn aus HROS; HELD und KLEOS zusammen, weil er gleichsam der Ruhm der Helden gewe-
sen, oder leiten ihn auch von HRE her,
so fern solches soviel, als die Luft bedeutet, weil er gleichsam ein himm- lischer Mann gewesen.
textoben
Indessen wollen doch einige solchen Namen gar für keinen griechischen erkennen, sondern führen ihn entweder aus dem Phönicischen her, da harochel
so viel, als einen Kaufmann, bedeutet,
dergleichen denn auch der tyrische Herkules nur gewesen seyn soll, oder
sie leiten ihn sogar aus dem Deutschen oder Celtischen her, und setzen ihn aus Heer und Carl oder Kerl, oder Keule u.s.f. zusammen.

Noch andere holen ihn von dem deut-schen Worte Räckel, welches von Reck, ein Riese, so viel, als einen kleinen Riesen bedeuten soll. Es kann aber Herkules nicht so wohl ein besonderer Namen einer Person, als vielmehr ein Ehren- oder Beinamen seyn.

Ihn sollen auch mehr als fünf und vierzig unterschiedene berühmte Helden geführet haben. So soll der thebanische Herkules, als der berühmteste unter allen, und dem daher aller der übrigen Thaten insgemein allein zugeschrieben werden, eigentlich, nach einigen, nach anderen aber Alcides geheißen haben, und zuerst von der Pythia, oder dem Orakel zu Delphi,
HERKULES seyn genannt worden, als
er dasselbe gefraget, wo er seinen eigent- lichen Aufenthalt in Griechenland nehmen solle.

 

 



Die Astronomie aber erlernete er von dem Centaur CHIRON.

Einige zählen auch selbst den RHADA-MANTH mit unter dessen Lehrmeister. LINUS lehrete ihn noch die Cyther schlagen. Als er ihn aber eines Males schlug, weil er seine Sachen nicht recht gemacht, so verdroß es ihn dergestalt, daß er ihm die Cyther wieder an den Kopf schmiß, und Linus davon starb.

Er wurde deswegen vor Rhadamanthys Gericht gefordert, verantwortete sich aber so, daß er freigesprochen wurde. Jedoch, weil Amphitryo befurchtete, er möchte der-gleichen Dinge mehr begehen, so that er ihn aufs Land, woselbst er vollends unter den Kuhhirten bis in sein achtzehntes
Jahr auferzogen wurde.

7 §. Statur und Bildung.

Er soll in allem vier Cubiros und einen
Fuß lang gewesen seyn. Dieß wird nach
unserm Maaße etwan drey und dreyviertel
Elle
betragen, und folglich noch lange
keine solche Größe machen, als wohl
erfordert wird, den ANTÄUS, einen Kerl
von sechzig Schuhen, oder wenigstens
dreyßig Ellen, zwischen die Arme zu
nehmen, und so lange in der freyen Luft
empor zu halten, bis ihm der Athem aus
dem Leibe gedruckt worden.

Gleichwohl machen ihn andere nur klein,
und soll er blaue Augen, eine Habichts-
nase und die Haare unordentlich um den
Kopf hängen gehabt haben. Hiernächst soll er drey Reihen Zähne im Munde gehabt haben, aus den Augen aber sollen ihm glänzende Stralen geschossen seyn. Im Gesichte sah er martialisch aus, hatte einen ziemlichen Bart, und ungemein starke Arme : jedoch kömmt er in einigen alten Denkmaalen auch oft ohne Bart vor.

    


Jedoch soll, nach noch andern, auch sein erster Name NILUS gewesen sein, wofür er aber HERKULES genannt worden, als er die beiden Riesen, Anonymus und Peripnous, erleget, welche der JUNO Gewalt anzuthun im Begriffe waren.


2 §. Aeltern und Geburt.

Seine Mutter war ALKMENE, Elektrions Tochter, eine so schöne, als tugendhafte Frau, welche bereits an den AMPHITRYO verheuratet war. Weil aber JUPITER sein Auge auf dieselbe warf, ihr aber nicht an- ders beyzukommen gedachte, so nahm
er die Gestalt des Amphitryo an sich, welcher damals abwesend und im Kriege mit den Teleboern begriffen war, und that, als ob er aus solchem Kriege, den er glücklich geendiget, und damit den Tod der Brüder solcher Alkmene an ihren
Feinden gerächet hätte, zurück käme.

Weil nun Alkmene glaubete, daß es wirklich Amphitryo sey, so genoß der verstellte Jupiter von ihr, was er suchte.
Dieß vergnügte ihn denn dergestalt,
daß er seine Begierden desto völliger
zu sättigen, dieselbe Nacht so lang,
als sonst drey, machete. Indessen kam den Tag darauf der rechte Amphitryo
nach Hause. Da ihn nun Alkmene gar kaltsinnig empfieng, so fragte er sie
um die Ursache. Sie antwortete ihm,
er hätte ja schon Tages vorher alle geziemende Liebesbezeugungen genossen.

Dieß war ihm eine neue Entdeckung;
und hinter der Sachen Beschaffenheit
zu kommen, befragte er den berühmten wahrsager TIRESIAS. Dieser entdeckte
ihm, es hätte Jupiter selbst seine Stelle vertreten, daher denn der gute Amphitryo seinen Verdruß verbiß, jedoch aber der Alkmene nichts desto weniger auch
noch beywohnete.

Kurz vor des Herkules Geburt that
Jupiter im Beyseyn aller Götter die
Erklärung, wer am ersten von des
Perseus Geschlechte gebohren würde,
der sollte über Mycene und alle seines
Geschlechts herrschen.

Dieß merkete sich Juno; und weil sie sich ihres Mannes Nebengänge wegen anders
nicht rächen konnte, so vermochte sie
die ILITHAYIA, daß sie des Herkules Geburt über die Zeit aufhielt, hingegen aber des EURYSTHEUS seine beför-
derte, welcher denn also vor ihm ge-
boren wurde, ungeachtet er nur sieben Monate alt war.

Als hierauf auch Alkmene niederkommen sollte, nachdem sie mit Herkules bis in den zehnten Monat schwanger gegangen, so machte Juno, daß ihr dessen Geburt ungemein sauer ankam, indem sie dieselbe ganzer sieben Tage und Nächte darinne aufhielt.

 


Er führete hiernächst des nemäischen Löwen, oder, wie andere wollen, eines von ihm ehemals erlegten Riesen Haut um sich. Auf den Rücken trug er einen Köcher mit Pfeilen, in der rechten Hand aber seine Keule und in der linken einen Bogen.

Gleichwohl hält man diese Vorstellung für viel jünger, als den trojanischen Krieg, und für eine bloße poetische Erdichtung, deren sich der Verfasser der Heraklea zuerst bedienet hat; denn die ältern Bildsäulen stellen den Hercules nicht in solchem Aufputze vor.

Daß er überhaupt ziemlich fürchterlich ausgesehen haben muß, erhellet wenig-
stens mit daher, daß, eines Males einer, der in einer Höhle steckete, und ihn nur vor solcher vorbey gehen sah, vor Schrecken über ihn alsofort in einen Stein verwandelt wurde.

9 §. Verehrung.

Es ist schon im vorhergehenden erwähnet worden, daß man ihn bereits bey seinen Lebzeiten, und noch mehr gleich nach seinem Tode göttlich verehret habe. Es war auch nachher fast kein namhafter Ort weder in Griechenland, noch in Italien,
wo er nicht seinen Tempel, seine Kapelle, seinen Hayn u.d.g. hatte.

Wenigstens hatte er davon selbst zu Rom in der ersten Region eine Aediculam, in
der fünften dergleichen, in der sechsten ebenfalls, in der achten zwey Aedes,
in der neunten zwey dergleichen, in der
elften selbst einen Tempel, und auch
einen Aedem, und in der dreyzehnten auch einen Aedem.

Und es pflegeten ihm die Karthaginienser hiernächst selbst Menschen, die Römer aber einen jungen Ochsen, trächtige Schweine, Meth und Brod, durch die Pianer und Potitier zu opfern. So waren ihm auch die Wachteln, die Pappelbäume, die Quitten, und eine Art Eichen heilig.

Insonderheit pflegten ihm die Zehenden von allem Einkommen gewidmet zu werden. Indessen durften sich bey dessen Gottesdienste keine Weiber befinden, weil sie ihm, als ihm einmal ungemein gedur-stet, nicht einmal etwas Wasser zu trinken geben wollten.

10 §. Eigentliche Beschaffenheit.

Es sind wenigstens sechs Personen im Alterthume gewesen, welche diesen Namen geführet haben, nämlich Jupiters und Lysitos Sohn, welcher sich mit dem Apollo um den Dreyfuß des Orakels überworfen; zweytens des Nilus Sohn,
der insgemein auch der ägyptische Herkules genannt wird; drittens einer von den daktylischen Idäen; viertens Jupiters und der Asterie, einer Schwester der Latona, Sohn, der insonderheit zu Tyrus verehret worden;

    


Endlich half ihr noch eine Bedientinn mit einer Lüge durch. Andere hingegen schreiben diese Hülfleistung der Historis, des Tiresias Tochter, zu.

Alkmene gebar hingegen nach dem Herkules, jedoch um einen Tag noch später, auch den IPHIKLUS, welcher
denn eigentlich des Amphitryons Sohn war.

3 §. Auferziehung.

Alkmene fürchtete sich hierbey dennoch
ungemein vor der Juno Rachgierde, und setzete also den Herkules auf ein weites
Feld weg, welches von ihm hernach den
Namen des herkulischen Gefildes bekam,
und als Juno mit der MINERVA über das- selbe spazieren giengen, und das schöne Kind liegen fanden, so vermochte Minerva die Juno, daß sie ihm die Brust gab, und es tränkete. Weil aber Herkules allzustark anzog, warf sie ihn wieder hinweg, Miner- va hingegen nahm ihn, und brachte ihn
der Alkmene wieder.

Andere wollen, MERCURIUS habe ihn
gleich nach seiner Geburt der Juno über-bracht, welche ihn auch angeleget :
so bald sie aber gemerket, wer er sey,
so habe sie ihn wieder hinweggethan;
weil ihr nun dabey ein Theil der Milch
entflossen, so sey daher die Milchstraße
am Himmel entstanden.

Indessen erhielt doch Herkules durch
die genossene Milch die Unsterblichkeit.
Als Herkules heran wuchs, so unterwies
ihn LINUS in den Wissenschaften,
EURYTHUS im Schießen, EUMOLPUS
in der Musik, HARPALYKUS im Ringen,
im Fahren mit dem Wagen selbst AMPHI-TRYO, in den Waffen KASTOR.

 

 


... fünftens der indianische, der auch
Belus geheißen, und sechstens Jupiters und der Alkmene Sohn.

Andere hingegen zählen deren gar drey
bis vier und vierzig. Man will auch, daß
alle und jede diesen Namen geführet, welche vor andern ihre Tapferkeit sehen lassen. Seine Historie ist also nichts, als ein Mischmasch aller der Thaten in eins zusammen. Weil nun der thebanische Herkules der jüngste unter allen ist, als welcher erst ums Jahr der Welt  3468,
und also zu Gideons Zeiten gelebet,
so werden ihm alle der übrigen Thaten insgemein allein zugeschrieben.

Einige verstehen unter ihm den Josua, andere den Simson. Dieß kann auch in so fern wohl zugestanden werden, weil beyde Helden mit unter den vielen Herkules begriffen seyn können; nicht aber, daß einer von ihnen derselbe allein seyn soll.

11 §. Anderweitige Deutung.

Sittlicher Weise wird selbiger auf die mit der Stärke vereinbarte Klugheit gedeutet, als welche fähig ist, auch die großen Ungeheuer oder Laster zu bezwingen.

Physisch aber soll er insonderheit die Sonne bedeuten, und wird also durch seine zwölf Arbeiten der Sonne Lauf durch die zwölf himmlischen Zeichen, durch seine Löwenhaut der Sonnen Gewalt in dem Zeichen des Löwes, durch seine hökerichte Keule, der ungleiche Lauf der Sonne, durch die lernäische Schlange die Feuchtigkeit des Wassers, welche die Sonne vertrocknet, durch die hespe-
rischen Aepfel die übrigen Sterne,
welche Hercules raubet, oder die
Sonne verdunkelt u.s.f. verstanden.

    
maasseelle

Elle ( Bayern )
Elle ( Preußen )
Elle ( Sachsen )

= 0,8330 m
= 0,6669 m
= 0,5660 m

Größe des HERCULES ( Bayern )
Größe des HERCULES ( Preußen )
Größe des HERCULES ( Sachsen )

= 0,8330 x   3,75 =
= 0,6669 x   3,75 =
= 0,5660 x   3,75 =

 3,12375 m
 2,50087 m
 2,12250 m

Größe des ANTÄUS ( Bayern )  
Größe des ANTÄUS ( Preußen )
Größe des ANTÄUS ( Sachsen )

= 0,8330 x 30,00 =
= 0,6669 x 30,00 =
= 0,5660 x 30,00 =

24,99 m
20,00 m
16,98 m