Übersicht und Gliederung:
Zur Einführung und Struktur dieser Seiten — Zusammenfassung: unten auf dieser Seite
Hermsdorfer Ziegelei und Gut - Besitzverhältnisse  LINK
Hermsdorfer Ziegel an Bauwerken in Berlin LISTE   LINK
Hermsdorfer Ziegel an Bauwerken in Berlin BILDER und TEXTE  LINK
Hermsdorfer Ziegelei und GEOLOGIE — Tonvorkommen  LINK
Hermsdorfer Ziegelei und TECHNOLOGIE — Ziegelfabrikation  LINK

Bitte beachten Sie: Verweise mit LINKex in den Texten sind Original-Quellen im WEB und öffnen generell in einem neue Fenster. Eingefügte Zitate aus Quellen werden mit [...] eingeleitet und beendet.
Ziegelstempel Hermsdorf um 1845
Verblendziegel — Handstrich
Stempel: Hermsdorff, um 1843-51
Ziegelstempel C. Wernecke auf Hermsdorf um 1848
Verblendziegel — Handstrich
Stempel: C.WERNECKE auf HERMSDORF, um 1848
Ziegelstempel Hermsdorf bei Berlin um 1852
Verblendziegel — Handstrich
Stempel: HERMSDORF bei Berlin, um 1852-70
Ziegelstempel Hermsdorf 1 Maschinenziegel um 1870
Mauerziegel — Strangpresse
Stempel: 1 Hermsdorf., um 1870 u. später

Hermsdorfer Ziegelei: Struktur und Aufgabe dieser Webseiten

Es ist unüblich eine Darstellung anfänglich mit Einschränkungen einzuleiten, doch leider sind keine aussagefähigen Vorarbeiten oder Dokumente zur Ziegelei in Hermsdorf verfügbar, auf die man hätte aufbauen können. Die Nachforschungen im lokalen Archiv in Hermsdorf sind bedeutungslos und was darüber hinaus in Online-Recherchen übergeorneter Archive verzeichnet ist, bleibt ebenso unergiebig. Es gibt scheinbar kein überliefertes Gutsarchiv, keine Geschäfts- oder Baugenehmigungsunterlagen. Eine Separations-Katasterkarte liegt nicht vor, sodaß die Größe des Gutsbezirks bzw. die Anteile der Ziegelei daran völlig offen sind. Hier ist, bezogen auf die Ziegelei, eine Rekonstruktion durch verschiedene Karten nur bedingt möglich, besonders was die Lage und die Erweiterungen der Ziegeleigebäude anbetrifft.

Bei der Auffindung der Vielfalt an Gebäuden, die in Berlin aus Hermsdorfer Ziegeln errichtet wurden, waren die oben abgebildeten Ziegelstempel hilfreich, obwohl schwer zu finden. Dazu die ausführlichen Seiten: Bauwerke LISTE und Bauwerke BILDER und TEXTE in der Navigation oben. Die Präsentation der Hermsdorfer Ziegelei ist ein gutes Beispiel für die Verschränkung von Interessen der Architekten, der neue Stil als Ausführung im Sichtziegelbau und das sich steigernde Können der Ziegler und Töpfer in der Hermsdorfer Ziegelei. Auf diesen Zusammenhang wird weiterhin im Text der verschiedenen Seiten hingewiesen. Als Vergleich dieser Entwicklung in Hermsdorf wird auf die Ziegeleien in Joachimsthal (1820-1872 und mit diesem Link zu sehen), dann ganz in der Nähe die Ziegeleien Stolpe (1824- ca. 1880) und Birkenwerder 1837- ca. 1914) verwiesen. Zu den letztgenannten Ziegeleien werden Extraseiten erstellt.

In der Lokalliteratur zu Hermsdorf wird ausgeführt und suggeriert, daß die Ziegelei unter Carl Wernecke mit Beginn 1840 und im weiteren Verlauf eine einfache Einrichtung war, aber erst mit Übernahme von Leopold Lessing 1860, sich zu einer "bedeutenden" Tonwaren-Fabrik entwickelt hatte. Das ist irreführend und falsch, hier spielt die Steigerung "einfache Ziegelei" — "anspruchsvolle Thonwaren-Fabrik" als vergleichende Aussage hiein, was sicher nicht weiter bedacht wird aus Unkenntnis, oder Ignoranz der Quellen, wenn man sie denn hätte. Schon allein der Produktumfang und die damit verbundenen qualifizierten Arbeiten, die ausgesprochen fachliche Nachfrage von Seiten der führenden Architekten in Berlin, spricht gegen diese oberflächliche Darstellungsweise. Vier Beispiele vorab sollen meine Argumente darlegen und begründen:
  • Eine Liste der in Hermsdorf 1855 verfertigten Ziegel, Bau-Ornamente, Spezial-Ziegel und Tonröhren mit Preisangaben und Transportkosten, in: Romberg's Zeitschrift für praktische Baukunst - 1855. LINK zur Liste als PDF
  • Die Bedeutung der Herstellung von Verblendziegeln und Bau-Ornamenten. Die Hermsdorfer Ziegelei hat von Beginn an viel geleistet in diesem Sektor für die Architektur Berlins. Ausführlich in: BERLIN und seine BAUTEN, Band 1 u. 2 1879. Auszug: Die Bedeutung von Verblendziegeln für die Berliner Architektur des 19. Jahrhunderts betreffend. Auf dieser Seite: Verblendziegel
    oder als PDF online lesen ... "Backsteine und Terrakotten" ab Seite 251
  • Der Nachweis von noch bestehenden oder verlorenen 52 Gebäuden in Berlin, die einen guten Einbkick gestatten in die Entwicklung und Qualitätsstufen der Ziegelei in Hermsdorf. Auf der Seite: Hermsdorfer Ziegel an Bauwerken in Berlin, LISTE, oben im Menue.
  • Verfolgt man die Entwicklung von Formziegeln und Terrakotta an den noch bestehenden Bauwerken, dann kann man versuchen, daraus das Anwachsen der Ziegelei und die Spezialisierung der Arbeiten technologisch zu rekonstruieren. Dieses ist sehr ausführlich versucht auf der Seite: Hermsdorfer Ziegelei und TECHNOLOGIE — Ziegelfabrikation, oben im Menue.
Was waren die Motive von Carl Wernecke nach Hermsdorf zu gehen? Hatte er Hinweise auf das ausgezeichnete Tonvorkommen? War Carl Wernecke selber ein gelernter Ziegler bzw. Töpfer? Es muß vorerst offen bleiben, ob hier eine gezielte Erwerbung betreffs der Möglichkeit, einen für Berliner Bauten so bedeutenden Ziegeleibetrieb aufzubauen, bei der Entscheidung zum Erwerb mitursächlich war.

Ein weiterer Aspekt für die Anlage einer Ziegelei bei sehr gutem Tonvorkommen in Hermsdorf, sind die früheren, nur unweit von Hermsdorf (1 Meile, oder ca. 5-7 Km) in Stolpe 1824, in Folge dann die in Birkenwerder 1837-42 gegründeten Ziegeleien. Wobei der Ziegelei in Stolpe insofern eine besondere Bedeutung zukommt, als hier zu Beginn der 1830er Jahre die Probebrände für die Verblendziegel der neuen Bauakademie in Berlin durchgeführt wurden, unter dem Ziegelmeister und Ziegeleibesitzer Wenzel. Initiiert wurden diese Versuche von Karl Friedrich Schinkel in Zusammenarbeit mit Tobias Chist. Feilner, es galt aus der Mischung des in Stolpe anstehenden Tons und solchem aus Schlagenthin (Nähe Genthin, Plauer-Kanal, Kreis Jerichow II) einen bestimmten und gewünschten Rotton der gebrannten Ziegel zu erreichen. Zur Ziegelei in Stolpe werde ich eine gesonderte Arbeits-Studie veröffentlichen.

Exkurs 1: Möglich auch, das mit dem Besitzwechsel des Gutes Stolpe 1826, von Albrecht Wilhelm von Pannwitz (Landrath) auf Oberberghauptmann Freiherr Franz Wilhelm Werner von Veltheim, mit letzterem eine bergbauliche Kompetenz in Sachen Tonmineral und Ziegelherstellung in der Region um Hermsdorf auf den Plan trat. Somit die Gründung der Ziegelei in Stolpe im Jahre 1824 durch Hrn. Wenzel (der Gutsbesitz 1824 noch unter von Pannwitz), dann in weiterem Verlauf eine besondere Förderung durch Berghauptmann von Veltheim erfuhr. Diese genannten Umstände liegen der Erwerbsentscheidung von Carl Wernecke voraus, doch bleibt ein Rest von Spekulation in dieser Sache bestehen, ob hier Beziehungen und Beeinflussungen eine Rolle spielten. Einiges spricht dafür, dass Carl Wernecke das Gut mit einfacher Guts-Ziegelei und einem sehr guten Tonvorkommen gezielt erworben hat, auch berufliche Erfahrungen im Umgang mit Töpferwaren und Ziegelherstellung bei ihm gegeben waren.

Exkurs 2: Eine Konzentration von fachlicher Kompetenz, wie sie in Hermsdorf vorlag, war nur in Stolpe und in beispielhafter Weise in der Königl. Ziegelei Joachimsthal am Werbellinsee anzutreffen. Hierfür spricht auch der Umstand, dass Albrecht Türrschmiedt (später Herausgeber der Töpfer- und Ziegler-Zeitung, ab 1869) seine praktische, berufliche Laufbahn als Ziegler und Töpfer in Hermsdorf, Joachimsthal und bei dem Tonwarenfabrikanten Tobias Chr. Feilner in Berlin begonnen hatte. Mir scheint das ein wichtiger Hinweis auf die Qualität der Ziegelei in Hermsdorf zu sein und Albrecht Türrschmiedt ist sicher eine innovative, beratende Schnittstelle geblieben, auch für die Hermsdorfer Ziegelei in den folgenden Jahrzehnten. Mehr über Albrecht Türrschmidt auf dieser Seite: "Ein fast vergessener Ziegler" LINKex ZI. Ebenso im Portal ZI - (Ziegelindustrie International), A. Türrschmiedt Lebensdaten


Amtsblatt der Regierung in Potsdam: 1845
Bei Erwerb des Gutsbezirkes 1836 befand sich schon eine sogenannte Gutsziegelei in Hermsdorf, die aber nur beschränkt lokalen und temporären Charakter besaß. Was aber auch bedeutet, daß es eine aufgeschlossene Tongrube gab. In der Beschreibung von 1805 (Bratring siehe unten) ist eine Ziegelei aufgeführt. Bereits 1845 beantragt Carl Wernecke den Bau zu einem zweiten Töpferofen und einer Windmühle (Windmühle als Wasserhebepumpe: siehe unten).

Heinrich Ernst Beyrich berichtet 1848 (Zur Kenntniss des tertiären Bodens der Mark Brandenburg. Siehe auch die Seite GEOLOGIE im Menue oben), daß die Tongrube bis zu 40 Fuß (12 m) tief ist. Ich schließe daraus, daß mit dieser ersten Erweiterung der Ziegelei und verschiedene von mir bisher angedeuteten Zusammenhänge, Carl Wernecke sehr gezielt auf einen expandierenden, qualitativ bedeutenden Betrieb ausgerichtet war. Das ausgezeichnete Tonlager und das zum Gut gehörende große Waldgebiet gehört ebenfalls in dieses Kalkül. Ohne einen kontinuierlichen Nachschub an Holz zur Feuerung der Töpfer- und Ziegelöfen in der nächsten Nähe, ist der Betrieb einer anspruchsvollen Ziegelei über viele Jahre bzw. Jahrzehnte, nicht rentabel, nicht machbar.

Sieht man sich die Eintragungen im Kirchenbuch zu Hermsdorf aus den Jahren um 1845-1850 durch, dann ist auch auffällig, daß die ersten Ziegler, wie Carl Wernecke selber, aus Mecklenburg gebürtig waren. Das erinnert an die Beschreibung im Nekrolog zum Ziegelei-Inspektors der Königl. Ziegelei Joachimsthal, Herrn Gottfried Menzel. In: Töpfer- und Ziegler-Zeitung, Verfasser Albrecht Thürrschmiedt, wo erwähnt wird:
[...] "Die praktische Erfahrung Menzels bildete sich aus der Erforderniß, für Schleusenbauten das dauerhafteste Material zu schaffen. Diese ausschließliche Richtung, den Werth des Produzirten, war für ihn der Ausgangspunkt einer regenerirenden Thätigkeit, welche auf den allgemeinen Stand der Ziegelfabrikation in unserer Mark den segenreichsten Einfluß übte. Ursprünglich wurde der Betrieb der Ziegelei mit Mecklenburgern Zieglern unternommen, welche in der damaligen Zeit den Ruf besaßen, in der Anfertigung von Ziegeln das Beste zu leisten. Menzel war aber derjenige, der lernte seine Arbeiter sich selbst heranzuziehen, und es gelang ihm, aus den umliegenden Dörfern, Friedrichswalde, Döllen, Reihersdorf usf., so viel Ziegler mit der Zeit auszubilden, daß nicht nur kein Mecklenburger mehr auf der Königlichen Ziegelei arbeitete, sondern auch die vorhandenen und entstandenen Ziegeleien am Werbellinsee und am Finowkanal sich ihre Arbeitskräfte aus der Königlichen Ziegelei zu rekrutiren im Stande waren. [...]

Zusammenfassung: Carl Wernecke kauft vermutlich das Gut Hermsdorf, um dort eine hochwertige Ziegelei, die anfänglich auch Töpferwaren und Ofenkacheln herstellte, aufzubauen. Das setzt voraus, daß er um das sehr gute Tonvorkommen (Septarienton) wußte und den guten Waldbestand des Gutsbezirkes mit einkalkulieren konnte, für die Brennstoffversorgung der Ziegel- und Töpferöfen. Ihm war es möglich, an seinen Betrieb auch erfahrene Ziegler aus weiter entfernten Regionen zu binden, wie z.B. Mecklenburger. Daraus ergibt sich, daß Carl Wernecke selber über gute Töpfererfahrungen verfügte, sodaß auch jüngere Praktikanten wie Albrecht Türrschmiedt bei ihm gelernt haben. Hinzu kommt eine Vernetzung mit den bauausführenen Architekten in Berlin und ein gewisser Standortvorteil bei 2 Meilen (14 Km) zur Stadtgrenze. Diese Zusammenhänge und die technologische Entwicklung einer Ziegelei in der MItte des 19. Jahrhunderts, soll auf den folgenden Seiten detailliert nachvollzogen werden.
Versuch einer Rekonstruktion ... webmaster@horsthartwig.de, im Juni 2018.
nach oben
Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg: Für Statistiker, Geschäftsmänner, bes. für Kameralisten. Die Mittelmark und Ukermark. Bd. 2. Friedrich Wilhelm August Bratring. Maurer, 1805; 583 Seiten, Seite 201. Originalquelle: LINKex

Statistisch Topographische Beschreibung Hermsdorf Bratring 1805
Name: Hermsdorf. Qualität: Dorf und Erbzins-Gut. Zustand: Vom Amte Schönhausen, 1754 in Erbpacht gegeben. 7 Ganzkossäten, 7 Büdner, 8 Einlieger, 1 Fischer, 1 Rademacher, Krug, Ziegelei und Wassermühle. 600 Morgen Holz. Feuerstellen: 13. Menschen: 144. Besitzer: Der Oberamtmann Wachsmuth. Kichl. Verfassung: Filiale von Rosenthal, Inspektion Berlin. Adressörter: p. Berlin.
Name: Hermsdorffsche Wassermühle. Qualität: Wassermühle. Zustand: Mit einem Mahl- und Schneidegange, bei Hermsdorf. Besitzer: Domänen Amt Schönhausen.
Name: Hermsdorffsches Forsthaus. Qualität: Forsthaus. Zustand: Umweit Hermsdorf. Besitzer: Domänen Amt Spandow.
zurück zum Text
Windmühle als Wasserheeb-Anlage für die Tongrube in Hermsdorf. Die Kopie der Windmühle stammt von Frau Petra Schmidt vom Heimatverein Hohenneuendorf. Wir haben gemeinsam ein Dokument zu der Ziegelei in Stolpe (bei Oranienburg) erstellt. Hierüber soll später noch berichtet und eine Web-Seite erstellt werden. Wie oben angezeigt, lag die Ziegelei in Stolpe nur unweit von Hermsdorf und Birkenwerder. Welcher Mühlenbaumeister die Windmühle gebaut hat, ließ sich nicht nachweisen.

Windmühle als Wasserhebewerk Ziegelei in Borgsdorf unf Hermsdorf
zurück zum Text oben
nach oben

HERMSDORF.
bei Berlin.